Die Transformation der Streitkräfte im 21. Jahrhundert

Die Transformation der Streitkräfte im 21. Jahrhundert

 

 

 

von: Jan Helmig, Niklas Schörnig (Hrsg.)

Campus Verlag, 2008

ISBN: 9783593384337

Sprache: Deutsch

312 Seiten, Download: 1908 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen PC, MAC, Laptop


 

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Die Transformation der Streitkräfte im 21. Jahrhundert



Ohne private Sicherheitsanbieter können die USA nicht mehr Krieg führen – Die Privatisierungsdimension der RMA (S. 165-166)

Nicole Deitelhoff
1. Einleitung

Im Irak wäre ohne private Sicherheitsanbieter (PSAs) für die USA wohl wirklich kein Krieg zu führen, wenn man denn hier von Krieg sprechen möchte. Mit etwa 100.000 Mitarbeitern bilden PSAs das zweitgrößte Kontingent im Irak nach den US-Streitkräften, mehr als alle anderen Mitglieder der »Koalition« der Willigen zusammen (Singer 2004: 4). Private Sicherheitsanbieter sind für die Logistik, wie Unterbringung, Nachschub, Verpflegung der Truppen zuständig, betreuen die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte, sichern Transporte und Konvois ebenso wie irakische Regierungsstellen und US-Stützpunkte und warten und bedienen zentrale US-Aufklärungs- und Waffensysteme, darunter etwa die Drohnen Global Hawk und Predator, die Apache-Kampfhubschrauber, die Stealth-Bomber, das Paladin-Artillerie-System – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen (vgl. GAO 2003, Blizzard 2004, Petersohn 2006). Im Jahr 2004 waren bereits 28 Prozent aller in Verwendung befindlicher Waffensysteme der USStreitkräfte abhängig von privaten Sicherheitsanbietern, heute dürften es noch einige mehr sein (Blizzard 2004).

Zwar ist die Auslagerung von Militärdienstleistungen zumindest in den USA kein neuartiges Phänomen – PSAs waren schon in Vietnam im Einsatz. Neu sind allerdings der Umfang, in dem dies geschieht und die politische Entschiedenheit, mit der der Prozess der Auslagerung vorangetrieben wird. War der Einsatz privater Dienstleister zuvor auf nicht-kritische Unterstützungsleistungen begrenzt, die abseits des Schlachtfelds angesiedelt waren, so sind PSAs heute in nahezu allen Funktionen und an vorderster Front neben regulären Einheiten im Operationsgebiet im Einsatz. Diese Entwicklung ist nicht ohne die Revolution in Military Affairs (RMA) und die aktuellen Transformationsbemühungen zu verstehen, sie ist sogar ein Teil davon, deren Konsequenzen aber noch kaum abzusehen sind.

Das Phänomen privater Sicherheitsanbieter, oder Private Military Companies (PMCs) wird zumeist im Kontext der Forschung zur Privatisierung der Sicherheit diskutiert.3 Dagegen hat sich die Forschung um die Revolution in Military Affairs bislang kaum mit den privaten Sicherheitsanbietern beschäftigt. PSAs gelten weniger als Dimension der RMA als vielmehr eine Begleiterscheinung oder Konsequenz militärischer Transformation. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Debatte um die PSAs, auch hier wird umgekehrt die RMA eher als eine von mehreren Ursachen für deren exponentielles Wachstum in den 1990er Jahren begriffen, insofern die damit verbundenen Hightech-Waffensysteme die Einbeziehung privater Expertise in Wartung und Handhabung ebenjener Systeme unumgänglich machen.

Diese Verbindungen greifen allerdings bei Weitem zu kurz. Das Ausmaß der Auslagerung militärischer Aufgaben an private Sicherheitsanbieter, so werde ich versuchen zu zeigen, lässt sich nicht auf die Konsequenzen der mit der Revolution in Military Affairs im engeren Sinne verbundenen Hochtechnologisierung der Kriegsführung begrenzen (für ein enges Verständnis vgl. etwa Mölling/Neuneck 2002), sondern zeigt, dass die Privatisierung längst eine eigenständige Dimension der Revolution in Military Affairs im weiteren Sinne geworden ist, insofern sie selbst die Organisation und Struktur der Streitkräfte sowie die Kriegsführung zu transformieren im Begriff ist.

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