Das psychologische Experiment

Das psychologische Experiment

 

 

 

von: Oswald Huber

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2009

ISBN: 9783456947075

Sprache: Deutsch

225 Seiten, Download: 3454 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen PC, MAC, Laptop


 

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Das psychologische Experiment



2.6.2 Kritisierbarkeit (Seite 58)

Eine Hypothese ist kritisierbar, wenn es mögliche Ergebnisse der Prüfung gibt, welche die Hypothese falsifizieren oder den Bestätigungsgrad der Hypothese absenken.
So ist die Hypothese Kinder unter sieben Jahren zeichnen Kopf-Füßler kritisierbar: Wenn Kinder unter sieben Jahren Männchen zeichnen, die eindeutig keine Kopf-Füßler sind, dann ist diese Hypothese falsifiziert. Die Hypothese Lernen mit Pausen (verteiltes Lernen) ist wirksamer als Lernen ohne Pausen (massiertes Lernen) ist ebenfalls kritisierbar. Angenommen, wir prüfen diese Hypothese auf folgende Art und Weise: Wir veranstalten einen Kurs, bei dem die Teilnehmer ein für sie neues Kartenspiel lernen. Wir teilen die Kursteilnehmer in zwei Gruppen ein: Die Gruppe M lernt das Kartenspiel in einer ununterbrochenen mehrstündigen Lernsitzung (massiertes Lernen), die Gruppe V hat jeweils nach 45 Minuten eine Pause von 15 Minuten (verteiltes Lernen). Alle anderen Umstände seien gleich. Unsere Hypothese wäre kritisiert, wenn sich bei der anschließenden Prüfung herausstellte, dass die Gruppe M ein gleich gutes oder sogar besseres Lernresultat erzielt hat als die Gruppe V.
Auch Hypothesen über Anteile können durchaus kritisierbar sein. Nehmen wir an, wir würden die Hypothese fünf bis zwölf Prozent aller Menschen sind Linkshänder dadurch prüfen, dass wir in den Staaten Deutschland, England, Frankreich. Italien, Österreich und Schweiz insgesamt zehntausend Personen zufällig auswählen. Wir testen die Händigkeit all dieser Personen und erhalten das folgende Ergebnis: 4.196 von den zehntausend sind eindeutige Linkshänder, das sind rund 42 %. Dann wäre unsere ursprüngliche Hypothese zwar nicht falsifiziert, aber ihr Bewährungsgrad wäre sehr gering. Andere Hypothesen – z. B. dass die Zahl der Linkshänder 45% beträgt – wären wesentlich besser bestätigt, hätten also einen deutlich höheren Bewährungsgrad.
Was ist nun mit Hypothesen, die nicht kritisierbar sind? Solche Hypothesen können nicht falsifiziert werden. Ja es ist nicht einmal möglich, dass ihr Bestätigungsgrad sinkt, ganz gleich, welches Ergebnis die Überprüfung bringt.

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