Lehrbuch Psychotherapie

Lehrbuch Psychotherapie

 

 

 

von: Wolfgang Lutz

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2010

ISBN: 9783456948393

Sprache: Deutsch

545 Seiten, Download: 6097 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

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Lehrbuch Psychotherapie



3 Diagnostik und Therapieplanung in der Psychotherapie (S. 71-72)

M. Grosse Holtforth, W. Lutz und Y. Egenolf


Der Einsatz genauer und verlässlicher psychodiagnostischer Messinstrumente ermöglicht im Rahmen der Psychotherapie nicht nur wissensbasierte Interventionsentscheidungen, sondern ist gleichzeitig die Grundlage für die Evaluation klinischpsychologischer Interventionen (Brähler, Schumacher und Strauß, 2002). Grob lassen sich die Funktionen psychologischer Diagnostik im Rahmen psychologischer Interventionen nach Phasen der Behandlung einteilen (Laireiter, 2000; Schumacher & Brähler, 2005). Diese sind Diagnostik vor und zu Beginn der Therapie (Indikationsorientierte Diagnostik), Diagnostik im Verlauf der Therapie (Verlaufs- und Prozessdiagnostik) und Diagnostik am Ende bzw. nach der Therapie (Evaluative Diagnostik).

Vor und zu Beginn der Therapie dient die Diagnostik 1) der Bestimmung und Beschreibung der Ausgangslage des Patienten, 2) der Klassifikation der Symptomatik des Patienten und 3) der Erklärung der Ätiologie und Geneseder Symptomatik (ätiologische und funktionale Analyse). Daneben unterstützen die Ergebnisse der Diagnostik 4) die Konzeption therapeutischer Problemstellungen (Fallkonzeption), 5) die Selektion und Beschreibung therapeutischer Problem- und Zielbereiche, 6) die Selektion angemessener Interventionsstrategien sowie die Zuordnung zu spezifischen therapeutischen Vorgehensweisen (differenzielle und selektive Indikation) und 7) die Abschätzung der Entwicklung und Therapierbarkeit der Symptomatik sowie der Entwicklung des Therapieverlaufs (Prognose). Qualitäts- und Prozesskontrolle sind ebenso wie Therapie- und Prozesssteuerung (adaptive Indikation) (8) Aufgaben der Diagnostik im Verlauf der Behandlung. Nach Abschluss der Behandlung leistet psychologische Diagnostik die Beurteilung des Erfolges und der Effektivität der Therapie (Evaluation) (9).

Die evaluative Diagnostik wird in Kapitel 2 gesondert behandelt und hier daher nicht vertiefend erläutert. Neben ihren unterschiedlichen Funktionen in den verschiedenen Behandlungsphasen unterstützt die psychologische Diagnostik die Dokumentation des Behandlungsverlaufs, die Supervision, die Kommunikation innerhalb und zwischen den Fachdisziplinen sowie die Vorbereitung der Nachbehandlungsplanung. Insofern kann die psychologische Diagnostik als ein ständiger, wegweisender Begleiter der Psychotherapie betrachtet werden.

3.1 Psychologische Diagnostik als wegweisender Begleiter der Psychotherapie


Für die Diagnostik in der Psychotherapie wurden detaillierte Qualitätsstandards formuliert, wie Reliabilität und Validität, klinische Nützlichkeit, Akzeptanz bei Patienten, Verbesserung der klinischen Entscheidungsfindung, Vermeidung diagnostischer Fehler und Kostenoptimierung. Diese dienen als Kriterien der Auswahl von Messinstrumenten im Rahmen einer empirisch gestützten Diagnostik. Die Qualitätskriterien der Diagnostik in der Psychotherapie überlappen sich mit den Standards für pädagogisches und psychologisches Testen (Häcker, Leutner & Amelang, 1998), die ursprünglich ein angloamerikanisches Expertenkomitee zusammengestellt hat.

Als zentrale Grundlage der interventionsbezogenen Diagnostik gilt das Prinzip der Multimodalität (Seidenstücker & Baumann, 1987). Eine multimodale Diagnostik sollte möglichst viele Aspekte innerhalb der folgenden Kategorien berücksichtigen: Datenebenen (biologisch/somatisch, psychisch/psychologisch, sozial, ökologisch), Datenquellen (befragte Person selbst, andere Personen, apparative Verfahren/Leistungsdiagnostik/Intelligenzdiagnostik), Untersuchungsverfahren (Selbstbeobachtung, Fremdbeobachtung, Interview, Leistungsdiagnostik, Felddiagnostik, projektive Verfahren, inhaltsanalytische Verfahren) und Konstrukte/Funktionsbereiche (Symptome, psychosoziales Funktionieren, zwischenmenschliche Beziehungen, Ressourcen etc.).

Im Folgenden werden wir uns schwerpunktmäßig auf standardisierte diagnostische Verfahren zur Erfassung von psychologischen und sozialen Phänomenen konzentrieren und verzichten an dieser Stelle auf die Darstellung von Persönlichkeitsstrukturtests, Tests zur Erfassung von Einstellungen/ Interessen, Leistungstests und projektiven Verfahren (für einen Überblick: Schuhmacher & Brähler, 2005). Entsprechend der oben genannten Gliederung der Bereiche und Funktionen der psychotherapeutischen Diagnostik ist dieses Kapitel nach dieser Einführung [3.1] gegliedert in [3.2] Indikationsorientierte Diagnostik und [3.3] Prozessdiagnostik. Überblicksartig werden die Prinzipien und Methoden der interventionsbezogenen psychologischen Diagnostik dargestellt (für detaillierte Informationen zu einzelnen Messverfahren siehe etwa Brähler, Schumacher & Strauß, 2002; Grosse Holtforth, Lutz & Grawe oder Strauß & Schumacher, 2005, in Druck)."

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